Apex Legends, Jahr 2

Timo

Liebe Leute.

Hätte mir jemand erzählt, dass Apex Legends, das Battle Royale-Game von Respawn Entertainment, in diesem schönen Sommer 2020 gerade mal zwei Jahre alt wird, ich hätte es nicht geglaubt. Glücklicherweise wurde mir genau dies während einer kürzlichen Podcast-Aufnahme erzählt, und ich kann bestätigen, ich glaube es nicht.

Als ich zum ersten Mal Apex spielte, sprach ich noch mit meinem Tattoo-Meister darüber, alles war neu und cool, und es war das erste Battle Royale-Dings, das mir wirklich legitim Spaß gemacht hat – damals auf der PS4 mit Controller. Und es fühlt sich an, als wäre es viele Jahre her, aber ganz offensichtlich ist es das nicht.

Jetzt, nach all diesen nichtexistenten Jahren, habe ich es probehalber auf dem PC installiert, „um mal reinzuschauen“, und nach viel mehr Stunden als eigentlich in ein paar Wochen passen bin ich wieder mittendrin. Apex ist immer noch ein Hammerspiel, und Respawn haben es nicht auf dem Wege verloren, im Gegenteil – es ist durch neue Legenden (also die kauf- und freispielbaren Charaktere, zahlreiche Map-Updates und Waffen-Balances nur besser geworden. Und als Story-Weirdo bin ich froh zu verkünden, dass auch die Storylines sowohl der Charaktere als auch der Apex-Spiele selbst immer weiter ausgefeilt werden, und genau darüber möchte ich kurz sprechen.

Wie schafft es ein Battle Royale-Spiel, ein Genre, welches offensichtlichst einzig auf Ballern und hektische Multiplayermatches ausgelegt ist, eine tatsächlich interessante Backstory aufzubauen? Wie kann es Lore geben in einem Spiel, in der jedes Match aus Klonen der gleichen Figuren besteht, die magisch während und nach jedem Kampf wiederauferstehen als wäre nichts passiert? Für eine Antwort darauf gibt’s viele, viele Videos zu schauen.

Wraith

Ein Beispiel: Renee Blasey aka Wraith, erwachte in einer IMC-Hafteinrichtung für Geisteskranke ohne einen Hauch der Erinnerung an ihre Vergangenheit. Sie bekam durch ein wissenschaftliches Experiment übermenschliche Fähigkeiten, die selbst dem „Entdecker“ derselbigen, Dr. Singh, nur als „interdimensionale Phasenverschiebung“ bekannt war. Sie macht Portale, und sie hört merkwürdige Stimmen, die sie zu warnen scheinen. Wie sie zu diesen Besonderheiten gekommen ist, weiß sie nicht: Die IMC – als Interstellar Manufacturing Corp auch Titanfall-Fans bekannt – hat dafür gesorgt, dass ihre Erinnerungen schön unter Dach und Fach bleiben.

Ihren Anfang in den Apex Spielen verdankt sie dem Abend ihres Ausbruchs von der IMC – genau wie eine Erklärung, wie ihre transdimensionalen Fähigkeiten funktionieren, und vor allem, wer für die für Wahnsinn gehaltenen Stimmen tatsächlich verantwortlich sind. All das könnt ihr in diesem Kurzfilm selbst anschauen. Und wie es sich für ein living Game gehört, wurde die Tür aus den letzten Sekunden des Filmes auch im Spiel geöffnet, so dass die Spieler den IMC-Forschungsbunker selbst in Augenschein nehmen können, während sie sich mit Kugeln eindecken.

Crypto

Aber Wraith ist nicht die einzige Person mit Charakter – nehmen wir Crypto als weiteres Beispiel, da er Wraith’s Hacker-Kontakt in eben diesem Kurzfilm ist.

Tae Joon, aka Crypto, ist ein wenig auf der Alumützen-Seite des Lebens. Nerdig, paranoid, Techie, Hacker. Crypto und seine Schwester Mila wachsen in Suotamo auf, und landen letztendlich auf der Angestelltenliste des Mercenary Syndicate, einem Konglomerat zahlreicher Firmen, die u.a. auch die Apex-Spiele ins Leben gerufen haben. Dummerweise findet Crypto eines Tages mehr heraus, als gut für ihn ist, nämlich einen Algorithmus, mit dem das Syndicate während der laufenden Apex-Spiele Sieger und Verlierer vorhersagen könnte – ein Paradies für unlautere Wetten. Mila wird umgebracht und Tae wird die Schuld zugeschoben. Jetzt einfach mit „..und daraufhin zog Crypto unter neuer Identität in die Apex Spiele ein“ zu enden, wäre aber dem Guten nicht genüge getan.

Bereits lange bevor Crypto überhaupt spielbar und bis auf Gerüchte bekannt war, zeigte der Trailer von Season 2 seine ersten Handgriffe. Den Laptop, den er hier nutzt, gab es gar einige Tage vorher bereits im Spiel zu finden – was es damit auf sich hatte, wurde erst mit dem Trailer erklärt. Crypto zerstört den Repulsor-Turm via EMP, der ebenfalls mit Release des Trailers im Spiel zerstört wurde – was der Einsturz des Turmes für Folgen hat, gibt’s ebenfalls im Trailer zu sehen.

Doch damit nicht genug: Im weiteren Verlauf von Season 2 gab es für neugierige Besucher des oben erwähnten Bunkers, in dem Wraith gefangen gehalten wurde, eine neue Überraschung: In einem Raum, in den man sich nur durch Fußtritt Zugriff verschaffen kann, kann man gerade noch eben einen Blick auf Ingame-Crypto erhaschen, der sich an einem Computersystem zu schaffen macht.

Ab diesem Zeitpunkt finden im weiteren Verlauf der Spiele merkwürdige Dinge statt: Audio-Ansagen brechen ab oder sind verzerrt, elektronische Flaggen zeigen keine Bilder mehr an.. und plötzlich ist auf allen Monitoren in der Map ein Ladescreen zu sehen, der zum Start der nächsten Season ausläuft. Erst in den letzten Tagen erscheint Crypto’s Icon auf den Screens, kurz vor – und nun wirklich – dem offiziellen Einzug des Hackers in die Apex Spiele.

Forge?

All dies kann aber durch einen weiteren Charakter noch getoppt werden: Über Monate hinweg wurde Forge als neuer Contestant der Apex-Spiele geteased. Hinweise im Spiel, offene Ankündigungen seitens Respawn und geleaktes und gezieltes Datamining aus den Vorversionen machten klar: Forge wird der nächste Champion. Selbst seine Fähigkeiten wurden bereits aus den Spieldaten herausgetragen. Dann kam die Zeit der offiziellen Ankündigung, und die Fans bekamen diesen Trailer zu sehen:

Forge wurde nie ein Champion, noch war er als einer geplant. Respawn hatte als Reaktion auf vorhergehende Datamining-Leaks über mehrere Updates hinweg falsche Fährten ins Spiel eingebaut um die Überraschung so groß wie möglich zu machen – stattdessen fand Edgelord Reaper Revenant seinen Weg ins Spiel.

Und auch Revenant bekam zahlreiche Storybeats spendiert. Neben einer Vorher/Nachher-Variante des Filmstudios ingame, bekam er kurz nach dem obigen Teaser seinen eigenen Storytrailer mit dem Intro von Season 4, der seine Motivation, den Spielen beizutreten etwas klarer macht.

Revenant war eigentlich mal menschlich und ein Top Hitman des Syndikats, bis selbiges ihn zu einem Scheinbild aus Metall und künstlichem Fleisch gemacht hat So konnte man ihn einfach wieder auferstehen lassen, sollte ein Auftrag schieflaufen. Im obigen Trailer sehen wir nicht nur, wie Revenant diese ihm unbekannte, aber verständlich ungemütliche Tatsache seines Lebens herausfindet, sondern erhaschen auch unseren ersten Blick auf Loba – den neuen Charakter von Season 5 – und ihre ebenso verständliche Motivation, bei den Apex-Spielen mitzumischen.

Und damit sind wir in der aktuellen Season von Apex Legends angekommen. Ich könnte nun noch einige Minuten weiterschreiben, wie klasse spielbar das Ding ist, wie revolutionär die ingame-Pingmechanik ist und Mikrofone weitgehend überflüssig macht, wie representativ und inklusiv der Charakter-Cast ist, wie individuell und doch gebalanced die Charaktere und Waffen sind, wie spannend die sich stets verändernde Welt, und wie teuer die verdammten kosmetischen Microtransactions, aber dafür ist dieser kleine Artikel nicht gedacht.

Ich liebe die Story-Beats von Apex Legends, einem Spiel, das technisch überhaupt keine Story haben dürfte, und darüber wollte ich schreiben.

Und wenn ihr jetzt bis hier unten gelesen habt, ohne ein einziges Video zu schauen, habt ihr selbst schuld.

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